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Wenn du Kundalini Yoga praktizierst, dann hast du diesen Satz sicher schon gehört. Wenn du deine Tage hast, in den ersten drei Tagen keine Feueratmung, dann langer tiefer Atem. Meist kommt er nebenbei, zwischen zwei Übungen, so wie man sagt, dass die Toilette links den Gang runter ist. Und dann geht es weiter. Aber hat dir schon mal jemand erzählt, warum eigentlich?
Zwei Richtungen im Körper
Im Hatha Yoga, und im Kundalini Yoga besonders, stellt man sich vor, dass die Lebenskraft nicht einfach im Körper herumsteht wie Wasser in einer Vase. Sie fließt, und sie hat Richtungen. Die eine heißt Prana, alles, was nach innen und nach oben will, der Einatem, das Aufsteigen. Die andere heißt Apana, und Apana will nach unten und raus. Apana ist zuständig für alles, was der Körper loswerden muss. Ausatmen, Verdauung, Geburt und eben die Monatsblutung. Man kann sich das wie einen Atemzug vorstellen, Prana ist das Ein, Apana das Aus. Wer nur einatmet, kippt irgendwann um. Wer nur ausatmet, auch. Im Alltag wechseln sich die beiden von allein ab, keiner muss darüber nachdenken, und das ist auch gut so.
Während der Blutung, besonders in den ersten drei Tagen, hat Apana das Sagen. Der Körper räumt auf. Die Gebärmutter stößt ihre Schleimhaut ab, alles darf nach unten, alles darf raus, und die alte Regel lautet schlicht, stör sie nicht dabei. Was die Energie nach oben zieht oder nach innen presst, arbeitet in diesen Tagen gegen die Richtung, in die der Körper gerade will. Wir wollen das Blut nach unten bringen, nicht nach oben.
Warum der Feueratem genau das Falsche tut
Der Feueratem ist im Kundalini Yoga der große Anheizer. Schnelles Pumpen durch die Nase, der Nabel arbeitet wie ein kleiner Blasebalg, zwei bis drei Atemzüge pro Sekunde. Er heizt, und er zieht die Energie vom Nabel aufwärts, bis der ganze Körper wach ist. An normalen Tagen ist das genau der Grund, warum wir ihn mögen.
In der Blutung ist es der Grund, warum er wegbleibt. Der Feueratem erzeugt Hitze im Bauch und presst dabei den Nabel rhythmisch nach innen, also genau auf die Gebärmutter, die gerade sowieso Überstunden macht. Und er treibt die Energie nach oben, während der Körper sie nach unten schicken will. Stell dir vor, du räumst die Wohnung aus, und jemand trägt die Kartons hinter dir wieder rein. Ungefähr so. Deshalb langer tiefer Atem. Er kühlt und lässt den Bauch weich, und er zieht nichts nach oben, was unten bleiben soll.
Es ist nicht nur der Feueratem
Die Regel im Kundalini Yoga gilt für alles, was den Nabel hart arbeiten lässt oder den Körper auf den Kopf stellt. Für die ersten ein bis drei Tage, also die mit der stärksten Blutung, heißt das ohne Sat Kriya, ohne Mul Bandh (Wurzelverschluss), ohne Stretch Pose, ohne Bogen, ohne Heuschrecke, ohne Kamel, ohne Schulterstand und Pflug, und ohne lange Beinheben.
Klingt nach viel. Hat aber eine einfache Logik. Alles, was das Herz über den Kopf bringt, kehrt die Richtung um, in die Apana gerade fließt. Und alles, was den Nabel nach innen zieht oder Hitze macht, presst auf die Gebärmutter und macht die Blutung stärker. Wer sich das merkt, braucht die Liste nicht mehr.
Nach dem dritten Tag, oder sobald es leichter wird, darf alles zurück. Wer Sat Kriya täglich macht, lässt es drei Tage liegen und fängt am vierten wieder an. Manche Lehrerinnen sagen, dann doppelt so lang, zum Nachholen. Ich sage, so lang wie vorher. Der Körper führt keine Strichliste.
Was stattdessen
Die Blutung ist im Kundalini Yoga kein Grund, die Matte einzurollen. Sie ist ein Grund, die Praxis zu drehen. Langer tiefer Atem statt Feueratem. Katze und Kuh, weil sie das Becken bewegen, ohne zu pressen. Sitzen mit den Fußsohlen aneinander, Knie nach außen fallen lassen, Hände auf den Bauch. Beine an der Wand hoch, das ist übrigens keine Umkehrhaltung, Herz und Kopf bleiben auf gleicher Höhe, und der Rücken atmet auf. Meditation, so viel du willst. Mantra, so viel du willst.
Und wenn gar nichts geht, dann liegst du auf dem Rücken, schließt die Augen und gehst die Kriya im Kopf durch. Das zählt. Für eine 40 Tage Praxis zählt das ganz, das habe ich immer so gehalten und werde es auch nicht ändern.
Und was sagt die Medizin dazu
Hier bin ich lieber ehrlich, weil zu Yoga und Menstruation viel Halbwissen unterwegs ist. Die alte Warnung, Umkehrhaltungen drückten das Blut zurück in den Bauch und daraus entstehe Endometriose, hält die Forschung nicht. Die Gebärmutter stößt ihre Schleimhaut durch Kontraktionen ab, und denen ist egal, ob du gerade auf dem Kopf stehst. Du kannst auch kopfüber schlucken.
Bei stärkerer Blutung tut Pressen auf den Bauch schlicht weh, Hitze macht Krämpfe schlimmer, und die meisten Frauen fühlen sich in den ersten Tagen sowieso wie ein Handtuch, das jemand ausgewrungen hat. Die Regel aus dem Kundalini Yoga und der gesunde Menschenverstand landen hier am selben Punkt. Solange die Blutung stark ist, bitte langer tiefer Atem. anach darfst du deine Praxis nach Herzenslust wieder anheizen.
Sat Nam, Jarnail Kaur Khalsa
Ich freue mich über deine Gedanken dazu.
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